Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreis

Der Christoph-Martin-Wieland-Preis wird alle zwei Jahre, alternierend mit dem Helmut-M.-Braem-Preis, vom Freundeskreis ausgeschrieben. Er wird für die herausragende Übersetzung eines Werkes aus wechselnden literarischen Gattungen vergeben. Die Preisverleihung wird von der Christoph Martin Wieland-Stiftung organisiert und findet in der Wieland-Stadt Biberach statt.

Dieser Übersetzerpreis wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg finanziert und ist mit 12.000 Euro dotiert.

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Die Übersetzung muss im Jahr der Ausschreibung oder in den drei vorausgegangenen Jahren in einem deutschsprachigen Verlag erschienen sein. Eigenbewerbungen sind möglich; ebenso können deutschsprachige Verlage preiswürdige Übersetzungen einreichen.

Nächster Ausschreibungstermin: 15. Januar 2021

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Eva Schweikart erhält den Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreis 2019

Die in Hannover lebende Übersetzerin und Lektorin Eva Schweikart wird mit dem Christoph Martin Wieland-Übersetzerpreis 2019 ausgezeichnet für ihre Übertragung des packenden Kinderromans „Emilia und der Junge aus dem Meer“ vom Niederländischen ins Deutsche. Der Roman der Niederländerin Annet Schaap erschien 2019 im Thienemann Verlag. Der Freundeskreis zur Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzungen e.V. hatte den Preis in diesem Jahr erstmals für die Übersetzung eines Kinderbuches ausgeschrieben. Der mit 12.000 Euro dotierte Preis wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg finanziert. Die Preisverleihung findet am 7. November 2019 unter der Regie der Christoph Martin Wieland-Stiftung in Biberach an der Riß statt, der Heimatstadt des Namenpatrons.

Die fünfköpfige Jury, der die ÜbersetzerInnen Friederike Buchinger, Andreas Jandl und Tobias Scheffel, die Germanistin Jutta Heinz und Lothar Schröder von der Rheinischen Post angehörten, begründet ihre Entscheidung wie folgt: „Annet Schaaps Roman für junge Leser ab 10 Jahren verbindet Märchen- und Fabelhaftes, knüpft an die verwunschenen Welten von Hans Christian Andersen an und verbindet Meeresmotivik mit Seeräuber-Jennyesker Selbstbehauptung ihrer jungen Heldin. Emilia ist eine Figur, die auf ermutigende Weise für Menschlichkeit, Toleranz und Vielfalt steht. Annet Schaap findet für die Einsamkeit, die Härte und scheinbare Ausweglosigkeit ihrer Protagonistin, der jungen Leuchtturmwärtertochter Emilia, im Niederländischen einen knappen, klaren Ton, der sich im Lauf des Romans um weitere Stimmen weitet und sich mit zunehmender Reife und Sicherheit der Protagonistin wandelt. Stimmung, Ton, Atmosphäre sind wesentliche Charakteristika des Romans. Es galt bei der Übersetzung, für einen ganzen Chor die jeweils passenden Stimmen zu entwickeln und die beschriebene Stimmung im Deutschen in all ihrer Vielfalt, Härte, Knappheit wiederzugeben. Eva Schweikart hat diese Herausforderung bravourös gemeistert. Ihr deutscher Text ist zunächst bedrückend, intensiv, karg, dann hoffnungsvoll schimmernd und märchenhaft magisch wie das Original. Die Stimmungen überzeugen, an keiner Stelle meint man, eine Übersetzung zu lesen, sondern zum Leser spricht eine reife, souveräne deutsche Vielstimmigkeit.“

Beeindruckt von dieser Souveränität der Übersetzungsleistung hat die Jury Eva Schweikart einmütig den Christoph-Martin-Wieland Übersetzerpreis 2019 zugesprochen. Der Preis wird seit 1979 alle zwei Jahre für ein wechselndes Genre verliehen.

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Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreis 2017 für Andreas Jandl und Frank Sievers

Andreas Jandl und Frank Sievers erhielten den Christoph-Martin-Wieland Übersetzerpreis 2017, der dieses Jahr zum 20. Mal vom Freundeskreis zur Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzungen e.V. ausgeschrieben wurde. Gemeinsam haben Jandl und Sievers erstmals The Peregrine von J.A. Baker ins Deutsche übersetzt. Unter dem Titel Der Wanderfalke erschien ihre Übersetzung 2014 in der von Judith Schalansky herausgegebenen Reihe NATURKUNDEN bei Matthes & Seitz in Berlin.

Um übersetzerische Leistungen auch auf wenig bekannten Gebieten zu würdigen, wird der Wieland-Preis seit 1967 alle zwei Jahre für herausragende Übersetzungen wechselnder Genres ausgeschrieben – dieses Jahr für „Reise- und Naturbeschreibung“.

Die fünfköpfige Jury, der die Übersetzerinnen Martina Kempter, Karin Uttendörfer und Elsbeth Ranke, sowie Hannes Hintermeier (FAZ) und der Germanist Prof. Dieter Martin  (Universität Freiburg) angehörten, begründet ihre Entscheidung so:

„J. A. Bakers The Peregrine (1967) ist ein Klassiker der philosophisch-literarischen Naturbetrachtung, prägend für das bis heute fruchtbare Genre des „nature writing“. Das in Tagebuchform gefasste Buch, in dem der Autor den Raubvogel in der Landschaft von Essex von Oktober bis April verfolgt und beobachtet, zeichnet sich durch eine extreme Einfühlung des Beobachters in den Falken aus, ja durch seine allmähliche Verschmelzung mit ihm.

Wie Baker finden und schaffen Andreas Jandl und Frank Sievers für diesen Prozess eine neue, ganz eigene Sprache – konzentriert, atmosphärisch dicht, bildkräftig und klangvoll –, die sich Blick und Wesen des Tiers zu eigen und dem Leser erlebbar macht.

Die Genauigkeit und elementare Wucht der Übersetzung macht die Lektüre zum spektakulären Erlebnis, als sähe man Welt und Natur mit den Augen des Wanderfalken.“

Diese überzeugende übersetzerische Leistung würdigt die Jury mit der Zuerkennung des renommierten Preises. Der Christoph-Martin-Wieland-Preis ist mit 12.000 € dotiert. Finanziert wird er vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Die Preisverleihung wird von der Wieland-Stiftung ausgerichtet und am 28. September in der Wieland-Stadt Biberach stattfinden.

„Wieland, in dessen Werk der Mensch immer im Zentrum steht, wäre sicherlich nicht einem Wanderfalken gefolgt.“,  kommentiert der Vorsitzende des WielandWissenschaftsrats Prof. Dr. Dieter Martin die Entscheidung, „Aber der Gedanke, dass man gelegentlich die vermeintlich überlegene menschliche Perspektive verlassen muss, um den Geheimnissen von Mutter Natur auf die Spur zu kommen, hätte ihm sicherlich ebenso gefallen wie das Bemühen um eine gleichzeitig präzise, einfühlsame und gelegentlich poetische Sprache bei der Darstellung dieser Erfahrung.“

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Ulrich Pröfrock ist Preisträger des Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreises 2015

Der Freiburger Übersetzer und Buchhändler Ulrich Pröfrock hat für seine herausragende Übertragung von Christophe Blains und Abel Lanzacs Comic Quai d’Orsay. Hinter den Kulissen der Macht den diesjährigen Christoph Martin Wieland-Übersetzerpreis erhalten. Der Freundeskreis zur Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzung e.V. hatte den Preis in diesem Jahr erstmals für die Übersetzung eines Comics oder einer Graphic Novel ausgeschrieben. Der mit 12.000 Euro dotierte Preis wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg finanziert.

Darüber hinaus hob die Jury die Übersetzungsleistung von fünf weiteren Einreichungen hervor: Tina Hohls und Heinrich Anders‘ Jimmy Corrigan – der klügste Junge der Welt (Chris Ware), Jan Dinters Don Quixote (Rob Davis), Dirk Schweigers und Daniela Seels Bohnenwelt (Larry Marder), Johanna Wais‘ Meine Tassen im Schrank (Ellen Forney) und Yvonne Gerstheimers Billy Bat (Naoki Urasawa und Takashi Nagasaki).

Die Preisverleihung wurde von der Christoph Martin Wieland-Stiftung ausgerichtet und fand am 2. Oktober 2015 im Museum Biberach in der Heimatstadt des Namenpatrons statt. Im Anschluss an die Preisverleihung wurde eine Kabinettausstellung über die prämierte Graphic Novel eröffnet, die noch bis zum 15. November 2015 zu sehen ist.

Pressemitteilung Wielandpreis vom 10. Juni 2015

Preisverleihung, Fotos Michael Kettel

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