Geschichte des Freundeskreises

HISTORIE

Die Geschichte des Freundeskreises besteht ganz wesentlich aus den Initiativen, die von seinen Präsidenten und Präsidentinnen sowie von seinen Mitgliedern ausgegangen sind. Viele davon sind zu festen Bestandteilen des literarischen Lebens in Deutschland geworden.

Auf Initiative des Publizisten und Übersetzers Helmut M. Braem wird am 13. April 1966 in Stuttgart der Freundeskreis der Literaturübersetzer als gemeinnütziger Verein gegründet und am 26.Mai 1966 beim Amtsgericht Stuttgart eingetragen. Das Ziel, literarische und wissenschaftliche Übersetzungen zu fördern, gilt nicht etwa der (finanziellen) Unterstützung des Verlagsprodukts „Übersetzung“, vielmehr will der Verein die geistigen und materiellen Arbeitsbedingungen der miserabel verdienenden und oft wenig gewürdigten Übersetzer verbessern. Dabei schwebt Helmut M. Braem eine Art ideelle „Neue Schule von Toledo“ vor:

In organisierten Seminaren und Gesprächen sollen sich Hochschullehrer, Übersetzungswissenschaftler, erfahrene Literaturübersetzer und Lektoren austauschen sowie ihr Wissen und ihre Erfahrungen an jüngere Kollegen weitergeben. Und durch Stipendien soll Übersetzern die Arbeit erleichtert und das Reisen in die Länder ihrer Ausgangssprache ermöglicht werden. Man kann es auch unverblümt sagen wie Klaus Birkenhauer, der nach Helmut M. Braem den VdÜ (Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke) führte und von 1978 bis zu seinem Tod 2003 Projektleiter des Europäischen Übersetzerkollegiums in Straelen war: „Der Freundeskreis ist ein kleiner Zusammenschluß, der für den Verband der Literaturübersetzer Geld erbettelt.“

1967 Der Freundeskreis erfüllt seine erste Bestimmung: In Esslingen findet das erste Esslinger Gespräch statt. Im Jahr darauf wird es in die Ev. Akademie Bad Boll verlegt. Danach treffen sich die Literaturübersetzer, – vorbereitet und organisiert im Wesentlichen von Ursula Brackmann mit der Hilfe von Helmut M. Braem, später von Klaus Birkenhauer – rund 30 Jahre lang zum Bergneustädter Gespräch in einer Tagungsstätte der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bergneustadt. Während dieser Zeit ging die Organisation immer mehr an den größer und stärker gewordenen VdÜ über. Und als die Räumlichkeiten in Bergneustadt zu klein werden, erfolgt der Umzug nach Bensberg zum Bensberger Gespräch. Seit 2004 hat die Jahrestagung der Literaturübersetzer in der Lessingstadt Wolfenbüttel eine neue, würdige Heimat gefunden. Heute nehmen jährlich 200 Literaturübersetzer daran teil.

1973 Der Freundeskreis vergibt zum ersten Mal ein BADEN-WÜRTTEMBERG-STIPENDIUM. Das erste Reisestipendium in Höhe von 1.000 DM erhielt die Übersetzerin Margaret Carroux. Seit 1979 stellt das Land Baden-Württemberg dem Freundeskreis jährlich Geld für die Vergabe von Arbeits- und Reisestipendien zur Verfügung, heute insgesamt 22.000 Euro. Seit 1973 wurden rund 450 Stipendien vom Freundeskreis vergeben.

1977 Nach dem frühen Tod Helmut M. Braems wird die Verlegerin und Übersetzerin Hildegard Grosche neue Präsidentin des Freundeskreises. Für ihr jahrzehntelanges Engagement für die Arbeit der Übersetzer wird sie 1981 mit dem Bundesverdienstkreuz am Band und 1993 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

1978 Zu Ehren von Helmut M. Braem verleiht der Freundeskreis erstmals den HELMUT-M.-BRAEM-ÜBERSETZERPREIS. Die Preissumme von 10.000 DM wird zur Hälfte vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels gestiftet, zur anderen Hälfte wird sie aus dem Spendenaufkommen des Freundeskreises finanziert.

1979 Dank der Zuwendung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg kann der Freundeskreis erstmals den CHRISTOPH-MARTIN-WIELAND-ÜBERSETZERPREIS in Höhe von 10.000 DM ausschreiben.

1994 Die Münchner Übersetzerin Rosemarie Tietze, 1990 mit dem Stuttgarter Literaturpreis ausgezeichnet, löst Hildegard Grosche als Präsidentin des Freundeskreises ab.

1995 Dank der PEREWEST-Stiftung kann der Freundeskreis von nun an jährlich das PEREWEST-STIPENDIUM für Literaturübersetzer aus slawischen Sprachen vergeben.

1997 Auf Initiative der Präsidentin des Freundeskreises Rosemarie Tietze kommt es nach langwierigen Vorbereitungen zum MEMORANDUM über die Situation der Literaturübersetzer in Deutschland und zur Gründung des DEUTSCHEN ÜBERSETZERFONDS.

1997 Bei der 10. Verleihung des Wieland-Übersetzerpreises in Biberach hält Bundespräsident Roman Herzog die Preisrede, in der er die herausragende Bedeutung der Literaturübersetzer für das Verständnis des Fremden und den kulturellen Austausch hervorhebt und die prekäre Situation der deutschen Literaturübersetzer anprangert.

1998 Nachdem im Freundeskreis die Idee zu den BADEN-WÜRTTEMBERGISCHEN ÜBERSETZERTAGEN geboren wurde, finden diese zum ersten Mal in Biberach statt.
Warum Übersetzertage? Im Wesentlichen geht es darum, diese für den kulturellen Austausch unerlässliche, aber meist im Schatten agierende und in vieler Hinsicht stiefkindlich behandelte Gruppe von Sprach- und Literaturvermittlern von Zeit zu Zeit sichtbar zu machen, ihr Tun und ihre Probleme einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen und sie „für ein paar Tage ins Licht der Medien zu rücken“, wie es in der Broschüre „Orte für Worte“ des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg heißt.

1999 Der Freundeskreis vergibt erstmals das BARTHOLD-HEINRICH-BROCKES-STIPENDIUM, das gestressten Übersetzern ein kleines „Sabbatical“ von zwei bis drei Monaten ermöglichen soll. 2003 muss der Freundeskreis die Vergabe des Stipendiums mangels Spenden an den Deutschen Übersetzerfonds abgeben.

2001 Rosemarie Tietze, inzwischen Erste Vorsitzende des Deutschen Übersetzerfonds, übergibt die Präsidentschaft des Freundeskreises an die Freiburger Übersetzerin Ragni Maria Gschwend, die 1982 den Literaturpreis der Stadt Stuttgart erhalten hatte.

2002 Ursula Brackmann, langjährige Geschäftsführerin des VS (Verband Deutscher Schriftsteller), Vorstandsmitglied des VdÜ sowie Mitbegründerin und über Jahrzehnte eine der eifrigsten Mitstreiterinnen des Freundeskreises bekommt in Stuttgart in Anerkennung ihrer herausragenden Verdienste das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

2006 Ragni Maria Gschwend, die Präsidentin des Freundeskreises, wird im Ludwigsburger Barockschloss für ihr „großes Engagement im Bereich der Übersetzungsförderung“ mit der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg geehrt.

2008 Nach sieben Jahren übergibt Ragni Maria Gschwend die Präsidentschaft des Freundeskreises an die ehemals Freiburger, heute in Hamburg lebende Übersetzerin Susanne Höbel. Zu ihrer Stellvertreterin wird die Frankfurter Übersetzerin Renate Orth-Guttmann gewählt, Trägerin des Christoph-Martin-Wieland Übersetzerpreises 1989.

Seit 2014 engagieren sich Helga Pfetsch als Präsidentin und Bärbel Flad als Vizepräsidentin im Vorstand des Freundeskreises.