Wer war Helmut M. Braem?

Helmut M. Braem

Braem, Gründer und Präsident des Freundeskreises, 1965, Tagung des VdÜ

Helmut M. Braem, Gründer und Präsident des Freundeskreises, 1965, bei einer Tagung des VdÜ

hmb, wie Braems Journalistenkürzel lautete, kam am 15. Dezember 1922 in Hannover zur Welt und starb am 24. Februar 1977 in Schwäbisch Hall. Nach dem Abitur fing er zunächst eine Schauspielausbildung an, diente dann im Krieg bei der Marine galt eine Zeitlang als Deutschlands jüngster U-Boot-Kommandant und kam zweimal wegen „Wehrkraftzersetzung“ ins Gefängnis. Nach dem Krieg studierte er Anglistik und Germanistik und versuchte sich in verschiedenen Städten als Schauspieler, Artist, Regisseur, bis er schließlich in Stuttgart 1953 den risikoreichen Weg eines freien Schriftstellers (Autor u.a. von Monographien über Eugene O’Neill und Edward Albee) Journalisten und vor allem Literaturübersetzers einschlug. So hat er (oft in Zusammenarbeit mit seiner Frau Elisabeth Kaiser, ebenfalls Journalistin und Literaturkritikerin) u.a. Werke von Henry James, George Orwell, William Saroyan, William Carlos Williams, John Dos Passos und vor allem William Faulkner ins Deutsche gebracht.

Von 1964 bis 1976 war hmb Vorsitzender des VdÜ (Verband deutschsprachiger Literaturübersetzer) und lange Jahre Präsidiumsmitglied des bundesdeutschen P.E.N.-Zentrums. Als Vorstandsmitglied des VS (Verband deutscher Schriftsteller) integrierte er den VdÜ als Bundessparte in den Schriftstellerverband und führte diesen 1973 mit anderen in die Gewerkschaft Druck und Papier (heute: ver.di).

1966 gründete hmb die Zeitschrift Der Übersetzer (heute: Übersetzen), 1967 organisierte er die erste Jahrestagung der Literaturübersetzer, das Esslinger Gespräch (heute: Jahrestagung der Literaturübersetzer in Wolfenbüttel). 1979 erschienen (posthum) bei dtv die Esslinger Gespräche – die gesammelten Werkstattberichte aus 10 Jahren, an denen u.a. Maria Bamberg, Klaus Birkenhauer, Ragni Maria Gschwend, Helmut Scheffel, Rosemarie Tietze und Elmar Tophoven mitgearbeitet haben.

Helmut M. Braem empfand sich in erster Linie als Förderer und Vermittler von Literatur und versuchte, auch dem Übersetzerstand Ansehen und Publizität zu verschaffen. 1967 rief er die sogenannten „Esslinger Gespräche“ ins Leben, bis heute – die wichtigste, alljährlich stattfindende Tagung von Literaturübersetzern in Deutschland mit Referaten, Werkstattarbeit und Diskussionen, die vor allem dem kollegialen Austausch der Übersetzer untereinander dient.

Unter Braems Ägide wurde das Selbstbewußtsein der Übersetzer gestärkt, aber auch der eigene Anspruch an die Qualität erhöht und eine Professionalisierung des Übersetzens angestrebt, die mit lebenslangem Lernen einhergehen muß. Die Ausbildung des Literaturübersetzers, heißt es in einem 1966 von Braem formulierten „Berufsbild“, ist die eines ewigen Studenten: sie endet erst mit dem Tode. Und wie der ewige Student weiß er als ewig Lernender auch niemals, wie er bei seinem ewigen Studium noch nebenbei Geld verdienen soll.

Um hier eine Hilfe zu schaffen, überzeugte Braem Institutionen wie das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden Württemberg von der Notwendigkeit einer nachhaltigen Übersetzerförderung, und man kann dem Land Baden Württemberg gar nicht genug danken, dass es bis zum heutigen Tag Stipendien für Literaturübersetzer vergibt und einen Übersetzerpreis mitfinanziert (worin ihm bisher nur wenige andere Bundesländer gefolgt sind).